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Sind Klimaanlagen im Reisebus Virenschleudern?

Durch die Verringerungen der Infektionszahlen des Corona-Virus und Erlaubnis von Reisen schiebt sich immer mehr der zukünftige Schutz der Fahrgäste in Reisebussen in den Vordergrund der Fachdiskussionen. Dabei steht vor allem im Fokus, wie sich das Corona-Virus in geschlossenen Räumen, wie es der Bus auf der Fahrt einer ist, verteilt. Und durch welche Hygienemaßnahmen man eine potenzielle Infizierung verhindern bzw. sehr unwahrscheinlich machen kann.

90 % der Übertragungen, da sind sich die Fachleute einig, erfolgt allein über eine Tröpfcheninfektion, also über Husten oder Niesen. Das Einhalten einer Niesetikette, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bzw. Händewaschen helfen hier, die Gefahren zu reduzieren. Weitere 9 % infizieren sich über Kontaktflächen, die durch das Virus kontaminiert sind. Im Bus könnten das z. B. die Haltestangen und –Griffe sowie Sitze oder Tische sein. Dementsprechend setzen die aktuell vorgeschlagenen Hygienemaßnahmen die regelmäßigen Desinfektionen derartiger Kontaktmöglichkeiten voraus.

Eine reine aerosolische Übertragung, also allein über den Luftweg, ist dagegen unwahrscheinlich, zumindest im normalen gesellschaftlichen Umgang. Auch da sind sich die Experten sicher. Jedoch in geschlossenen Räumen mit wenig Durchlüftung kann die Zahl der Erreger, die mit ihren Aerosolen in der Luft schweben, stark steigen. Eine aerogene Infektion durch Einatmen der virenbelasteten schwebenden Tröpfchen lässt sich nicht völlig ausschließen. Regelmäßiges Lüften senkt daher dieses mögliche Ansteckungsrisiko.

Busreiseveranstalter stellen sich darüber hinaus zunehmend Fragen, wie sich Corona-Viren im Zusammenhang mit Klimaanlagen in ihrem Fahrzeug verhalten. Verstärkt eine Klimatisierung das Risiko der ungewollten Virenverteilung im Bus? Oder kann die verbaute Filtertechnik vielleicht sogar Viren zurückhalten bzw. kann man entsprechend leistungsstarke Filter nachrüsten?

Der Klimaspezialist Konvekta (Schwalmstadt) stellt in diesem Zusammenhang klar, dass Klimaanlagen überhaupt keine zusätzliche Gefahrenquelle darstellen. Vorausgesetzt, sie werden auch entsprechend den Vorschriften gewartet. Sie führen Frischluft nach innen und Kondenswasser, an dessen Tropfen Viren sich anheften könnten, nach außen ab. Auch bei einer reinen Luftumwälzung wird diese getrocknet und die aufgenommene Feuchtigkeit aus dem Fahrzeug abgeschieden.

Die in den Busklimaanlagen bisher verbauten Filtersysteme halten an sich allerdings keinerlei Viren ab. Dafür ist ihre Schutzklasse zu niedrig bzw. ihr „Filternetz“ viel zu grobkörnig. Sie sind allein für die Rückhaltung von Pollen und Staubpartikeln ausgelegt. Die Abwehr von Krankheitserregern in der Luft war bis dato einfach kein Thema bei der Konzeption von Bordklimasystemen.

Konvekta konnte zwar in einem internen Forschungsvorhaben über ca. 1,5 Jahre nachweisen, dass die regulär verbauten Filtersysteme zum Teil Keime und Bakterien zurückhalten können. Aber diese sind auch größer. Pollen haben etwa eine Größe von 10 – 100 μm, Bakterien liegen bei 0,2 – 25 μm. Das Corona-Virus selbst kommt dagegen nur auf eine Größe von ca. 160 nm. Inklusive des Transportmittels seiner Wahl, also dem Aerosol, reden wir hier von einer Größe von ca. 1 μm. Unter heftigem Husten können die Tröpfchen auf bis maximal 10 μm anwachsen (1.000 μm = 1 mm/1. Mio. nm = 1 mm).

Zwar gibt’s für Klimaanlagen durchaus Filter, die selbst kleinste Viren abfangen können; sie werden z. B. in medizinischen Bereichen eingesetzt. Aber diese kann man nicht einfach eins zu eins in Fahrzeugklimasysteme einsetzen. Denn die ganze Technik muss aufeinander abgestimmt sein, sonst kommt es zur Fehlermeldung und die Klimaanlage setzt schlichtweg aus. Das Fazit von Konvekta lautet aber trotzdem: Eine Ansteckungsgefahr mit Corona-Viren über die Klimaanlage kann nahezu ausgeschlossen werden. Und Klimaanlagen sind auf gar keinen Fall Virenschleudern.

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